Freunds Denkzettel Nr 10: Lektionen der Selbstständigkeit

Veröffentlicht auf von Norbert Freund

Lektionen der Selbstständigkeit


Seit 20 Jahren bin ich selbstständig und habe aus einem Einmannbetrieb ein Unternehmen gemacht.


Die Freiheit, die ich als Selbstständiger genieße, schmeckt süß. Ich bin mein eigener Herr, niemand schreibt mir vor wann ich was zu tun habe. Außerdem brauche ich nur vor mir selbst über meine Handlungen Rechenschaft ablegen. Gleichgültig wie alt ich bin, niemand kann mir die Kündigung aussprechen. Ganz alleine ich bestimme wie lange ich arbeiten möchte.


Und genau in diesem süßen Freiraum, den ich genieße, liegen die Fallstricke der Selbstständigkeit. Wenn man sich in ihnen verhaspelt, dann ist der Niedergang vorprogrammiert.


Folgende Formulierungen sind gefährlich:


Niemand

Ich selbst

Ganz alleine

Rechenschaft

Ich bestimme

Wann ist was zu tun?


Niemand


Niemand ist mehr da, der mir kostenlos Feedback gibt, der mich berät.


Unsicherheit: Woher weiß ich, dass mein Vorhaben glücken wird? Wer sagt mir ehrlich, dass es funktionieren wird?


Ich selbst


Da niemand mehr da ist, bin ich für mich selbst verantwortlich. Keiner kann mir sagen, wo es mit mir hingeht.



Unsicherheit: Freiheit verträgt sich mit Sicherheit nicht gut. Wer gibt mir existenzielle Sicherheit?


Ganz alleine


Jetzt bin ich ganz alleine. Es ist niemand mehr in der Nähe, den ich anjammern kann. Keiner, der mir hilfreichen Trost spendet. Wer isst mit mir zu Mittag? Mit wem rede ich in der Kaffeepause?


Unsicherheit: Das Gefühl der Einsamkeit drängt sich vor. Unterdrücken bringt nichts; es drängt immer wieder nach oben.


Rechenschaft


Selbstkritik statt Fremdkritik. Der Markt ist eine träge Masse. Wer trägt die Schuld, wenn ich keine Aufträge bekomme? Wie gehe ich damit um, wenn ich darauf komme, dass ich das Richtige zum falschen Zeitpunkt tue oder das Falsche zum richtigen Zeitpunkt mache?


Unsicherheit: Wie stark kann ich mir selbst vertrauen? Glaube ich wirklich an das, was ich da mache?


Ich bestimme


Keine Entscheidung bleibt mir erspart. Niemand ist da, der mir knifflige Entscheidungen abnimmt. Wer sagt mir, ob ich richtig oder falsch entscheide? Niemand mehr kostenlos.


Unsicherheit: Bin ich ein entschlussfreudiger Mensch? Belasten mich Entscheidungen? Kann ich nachts noch ruhig schlafen?


Wann ist was zu tun?


Toll, jetzt kann ich morgens so lange im Bett bleiben wie ich will! Sofort meldet sich die innere Stimme: "Wenn du dich nicht drehst, dann dreht sich gar nichts. Wenn du nicht aufstehst, dann passiert nichts und nichts geht weiter!"


Unsicherheit: Bin ich wirklich so frei? Lege ich mir jetzt selbst den Druck auf? Ohne Geld, kein Genuss. Womit fange ich an? Wie finde ich die richtigen Prioritäten?


Diese Fallstricke haben eines gemeinsam: sie sind alle seelischen Ursprungs.


Welche Lektionen muss die Unternehmerseele lernen, damit sie nicht untergeht?


1. Viel Mut


Jetzt heißt es, die Siegerpose einzunehmen. Ein Sieger wählt den Weg nach vorne. Er hat den Mut, ein kalkulierbares Risiko einzugehen. Ein Sieger hat das Vertrauen in sich selbst und weiß, dass der Sieg gute Chancen hat


2. Ängste überwinden


Auch wenn in den ersten zwei Jahren Schmalhans Küchenmeister angesagt ist, dann heißt es, einen kühlen Kopf bewahren. Denn nur wer einen kühlen Kopf bewahrt weiß, wann das Richtige zu tun ist. Bescheidenheit ist immer angesagt. Wahrscheinlich verdienen Sie am Anfang weniger als in Ihrem alten Job. Hängt Ihr Selbstvertrauen hauptsächlich vom Geld ab? Dann haben Sie denkbar schlechte Karten. Vielleicht machen Sie sogar Schulden, um vom Start weg viel Geld in der Tasche zu haben. Das steigert wiederum die Angst.


3. Volle Selbstverantwortung


Im Kampf um Aufträge ist der Selbstständige völlig auf sich selbst gestellt. Er kann sich nicht passiv verhalten und dann erwarten, dass die Aufträge von alleine eintrudeln. Er muss sich eine Strategie, eine Marktoffensive überlegen und diese dann konsequent durchziehen.


4. Strategisch denken


Das strategische Denken ist das Schwert des Unternehmers. Wild in den Markt zu rennen ist keine gute Strategie im Kampf um Aufträge. Es gilt vielmehr seine Marktchancen genau auszuloten und dann eine passende Taktik zu wählen.


5. Konsequent handeln


Wenn Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden haben, muss dieses Vorhaben konsequent durchgezogen werden. Andernfalls hat dieses Vorhaben keine Chance.


6. Konzentration auf Ziele


In der Selbstständigkeit ist die volle Konzentration auf Ziele unumgänglich. Schließlich wollen Sie bald Ihre Einkommenssituation verbessern und dafür brauchen Sie ein gutes Timing.


7. Selbstdisziplin


Wer bei den ersten Niederlagen den Mut verliert, sollte sich in Selbstdisziplin üben. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Niederlagen sind Grenzen, an die Sie der Markt herangeführt. Daran können Sie sich entwickeln. In diesen Situationen lernen Sie das Wertvollste.


8. Respekt


In der Selbstständigkeit geht es darum, den Mitbewerber genau zu beobachten und einzuschätzen. Wer denkt, das nicht nötig zu haben, wird zwangsläufig scheitern.


9. Konfliktmanagement


In Konfliktsituationen handeln die meisten Menschen nach eingefahrenen Mustern. Der Unternehmer sucht weitere Handlungsmöglichkeiten, um neue Win-win-Situationen herzustellen.


10. Effektivität und Effizienz


Tue das Wichtige, delegiere das weniger Wichtige und unterlasse es Unwichtiges zu tun. Es hilft nichts in einen blinden Aktionismus zu verfallen. Gute Planung verhindert Verzettelung.


Diese seelischen Lektionen zu lernen, ist genauso wichtig wie ein ausgeklügelter Businessplan. Diese Lektionen sind ebenso wichtig, wie die einzigartige Idee, die mich zum Unternehmer macht.


Selbstständigkeit ist kein normaler Job, den man übernimmt. Sie ist vielmehr ein Stück Lebensweg, für den man sich entscheidet. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


Herzliche Grüße


Norbert Freund

Veröffentlicht in Gedanken

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post